Bundeswirtschaftsministerium stellt Studie zur beruflichen Integration von Studienabbrechern vor
Berlin, 17.09.2010,
Im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
wurde heute die Studie "Berufliche Integration von Studienabbrechern vor
dem Hintergrund des Fachkräftebedarfs in Deutschland" der Gesellschaft
für Innovationsforschung und Beratung (GIB) vorgestellt.
Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft
und Technologie und Beauftragter der Bundesregierung für Mittelstand und
Tourismus, Ernst Burgbacher: "Fehlende Fachkräfte bremsen den
wirtschaftlichen Aufschwung, bringen den Technologiestandort Deutschland
in Gefahr und kosten Wachstum und Wohlstand. Das Problem wird sich
mittelfristig aller Voraussicht nach noch deutlich verschärfen. Unser
Ziel ist es, alle Potenziale bestmöglich auszuschöpfen. Dazu gehört
auch, die Gruppe der Studienabbrecher, ca. 55.000 Personen pro Jahr,
besser zu integrieren."
Obwohl Studienabbrecher zunächst ohne Abschluss die Universität oder
Fachhochschule verlassen, sind sie in der Regel gut ausgebildete
Personen. Die Studie zeigt, welche Aktivitäten notwendig sind, um diese
Personen in den Arbeitsmarkt entsprechend ihrer Qualifikationen zu
integrieren oder durch eine Ausbildung, ein weiteres Studium oder andere
Bildungswege ihr Qualifikationspotenzial auszuschöpfen.
Die Studie benennt dazu u. a. folgende Handlungsoptionen der wichtigsten Akteure:
1. Unternehmen können
- verstärkte Präsenz an den Hochschulen zeigen,
- gemeinsame Projekte mit Lehrstühlen an Hochschulen, mit Praktikumsangeboten, mit Informationsständen durchführen,
- gezielt mit den Kammern zusammen arbeiten, sich stärker für die Möglichkeiten berufsbegleitender Studiengänge öffnen.
2. Kammern können
- durch die Darstellung von Best-Practice-Beispielen aus anderen
Unternehmen den Mitgliedsbetrieben aufzeigen, dass Studienabbrecher eine
interessante Bewerbergruppe mit einem hohen Entwicklungspotential sind,
- durch das Einrichten einer speziellen Stellenbörse für Studienabbrecher konkrete Suchmöglichkeiten für Unternehmen bieten,
- beraten, z.B. zu den Möglichkeiten der Anrechnung bestimmter im Studium erworbener Kompetenzen auf die Ausbildung,
- die Voraussetzungen für die Zulassung zu einer sog. Externenprüfung transparenter, z.B. auf der Website, darstellen.
3. Arbeitsagenturen können
- eine Anlaufstelle für Studienabbrecher benennen,
- eine zentrales Informationsangebot im Internet einrichten,
- Informationen für Unternehmen anbieten, etwa zu den Möglichkeiten der Anrechnung von im Studium erworbenen Qualifikationen.
4. Hochschulen können
- sog. "Frühwarnsysteme" entwickeln, mit denen anhand bestimmter
Kriterien wie z.B. hohe Fehlzeiten, nicht bestandene Leistungen usw.
abbruchgefährdete Personen entdeckt und entsprechend beraten werden
können,
- transparentere Bescheinigungen von Zwischenleistungen erstellen und
berufsorientierte Qualifikationen dokumentieren und vermitteln.
Staatssekretär Burgbacher: "Änderungen im Bewusstsein der Unternehmen
und Fachkräfte bei der Berufswahl und in der Bildungsstruktur der
Bevölkerung vollziehen sich nur langfristig. Daher müssen wir
rechtzeitig die richtigen Weichen stellen und ein Bündel von kurz- und
langfristig wirksamen Maßnahmen anstoßen."