Journalist - mehr als ein Beruf
Schlechter Bezahlung, miesen Karriereaussichten sowie abnehmender
Glaubwürdigkeit des Genres zum Trotz würden mehr als dreiviertel aller
Journalisten ihren Beruf wieder ergreifen, ergab eine Umfrage der
stiftung neue verantwortung zum "Journalismus 2020".
Obwohl sie nicht gut bezahlt werden und der wirtschaftliche Druck immer
mehr ihre Kreativität und Motivation gefährdet, obwohl sie kaum eine
Chance haben, Karriere zu machen, und ihr Beruf an gesellschaftlicher
Bedeutung verloren hat, obwohl ihre Glaubwürdigkeit immer mehr vom
Einfluss der PR auf die Berichterstattung untergraben wird und sie sich
statt mit relevanten Inhalten allzu häufig mit Banalitäten beschäftigen,
obwohl ihre beruflichen Aussichten also ganz schön düster sind, würden
77 Prozent der Journalisten trotzdem wieder diesen Beruf ergreifen. Wer
nun aber glaubt, Journalisten seien von Haus aus Masochismus
veranlagt, irrt sich gewaltig. Denn wie die Ergebnisse einer Umfrage der Stiftung neue Verantwortung zum "Journalismus 2020" zeigen, sind
Journalisten keine Zukunftsverweigerer, sondern Veränderungen gegenüber
durchaus offen.
Ein Beispiel dafür ist Kai Diekmann, der Chefredakteur der
"Bildzeitung". Den Umzug der Redaktion von Hamburg nach Berlin empfand
er als "Jungbrunnen" und Chance, sich "neu zu erfinden", und statt sich
vor der Digitalisierung zu fürchten, sieht er im Online-Bereich "ein
geradezu unbegrenztes Potenzial". Im "Meedia-XXL-Gespräch" mit
Christopher Lesko zeigte sich die "fleischgewordene Provokation" auch
von seiner so genannten menschlichen Seite.
