In Deutschland bezeichnet die Berufsbezeichnung „Psychologe“ Menschen, die einen Studienabschluss im Bereich „Psychologie“ vorweisen können. Das Studium endete vor kurzem noch mit dem Abschluss eines Diploms und wurde von der DGPs (Deutsche Gesellschaft für Psychologie) in Zusammenarbeit mit der die Kultusministerkonferenz (KMK) überwacht. Durch diese Maßnahmen sollte die Standardisierung und qualitative Sicherung der Absolventen sicher gestellt werden.
Die Inhalte der neuen Studiengänge, die bereits nach dem Bologna-Verfahren abgewickelt werden, und mit Bachelor bzw. Master abschließen, erhalten derzeit lediglich Empfehlungen seitens der DGPs. Grundsätzlich kritisiert die DGPs am neuen Ausbildungsweg vor allem die Möglichkeit das Studium bereits nach drei Jahren mit dem „Bachelor“ zu beenden und bezeichnet die Dauer des Studiums als „deutlich zu kurz“.
Doch obwohl man über Dauer und Qualität der Ausbildung sehr lange diskutieren kann, steht für die meisten Studenten neben dieser grundsätzlichen Thematik auch der spätere Nutzen der Ausbildung zur Diskussion. Denn die Anzahl der Psychologie-Studenten ist seit Jahren im Ansteigen begriffen und die Zahl der Absolventen, die das Studium auch tatsächlich erfolgreich abschließen, ist in den vergangenen Jahren von 2.292 (1993) bis zu 3.887 (2008) gestiegen. Die Frage, ob Deutschland eine dermaßen große Zahl von Psychologen tatsächlich auch benötigt und ob die Ausbildung auch beruflich interessante Perspektiven eröffnet, ist also legitim.
Im folgenden daher ein kurzer Überblick über potentielle Berufsfelder für angehende Psychologen:
- Psychotherapie: Dieses Teilgebiet der Psychologie ist wohl in der Öffentlichkeit am bekanntesten und umfasst sämtliche Formen psychologischer Verfahren, die ohne den Einsatz medikamentöser Mittel auskommen. Achtung (!): Psychiater werden oft mit Psychotherapeuten gleichgesetzt, sind aber nur entfernt mit diesem Beruf verbunden. Psychiater haben eine medizinische (keine psychologische) Ausbildung und dürfen – im Unterschied zu Psychotherapeuten – Medikamente verschreiben! Für die meisten anerkannten psychotherapeutischen Verfahren ist eine mehrjährige Ausbildung nach dem eigentlichen Studium notwendig.
- Klinische Psychologie: Dieses wichtige Teilgebiet der Psychologie befasst sich mit psychischen Störungen bzw. den psychischen Aspekten bei körperlichen Beschwerden.
- Arbeits - und Organisationspsychologie: Arbeits - und Organisationspsychologen beschäftigen sich mit Fragen rund um Arbeiternehmern und Arbeitsplatz. Häufig versuchen sie die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen und Fehler, die z. B. Durch Lärm, schlechte Beleuchtung, Mobbing, oder Stress entstehen können, zu verringern.
- Psychologische Dienste von Behörden: Sehr bekannt sind Verkehrspsychologen, die (z. B. Im Rahmen einer MPU die Fahrtüchtigkeit der Probanden testen. Neben dieses sehr speziellen Tätigkeit gibt es aber in Bund, Ländern und Gemeinden viele andere Aufgabengebiete.
- Psychologische Beratungsstellen (vor allem in öffentlichen oder geförderten Einrichtungen)
- Forensische und Rechtspsychologie: Auch dieses Gebiet ist sehr umfassend. Es kann von sehr spezifischen Anforderungen (z. B. Verhandlung bei Geiselnahmen) bis hin zur Einsatzplanung oder die Nachbetreuung von Polizeibeamten nach schwierigen Situationen gehen.
- Krankenhäuser, Sanatorien, Rehabilitationseinrichtungen: Psychologen können entweder für das Personal selbst aktiv werden (Stressbewältigung, Burnout...) oder für die seelische Betreuung der Kranken sorgen. Z. B. Beratung und Behandlung nach Krebs oder Herzinfarkt im Zuge der Reha-Massnahmen.
- Universitäten, Lehr- und Forschungseinrichtungen: Auch eine akademische Karriere ist nach einem abgeschlossenen Studium selbstverständlich möglich.
- Schulen und andere pädagogische Einrichtungen: Auch aus dem modernen Unterricht ist die Psychologie heute nicht mehr wegzudenken.
- Werbung, Markt- und Meinungsforschung: Sowohl Werbung als auch die Marktfoschung kommen heute kaum noch ohne Psychologen aus. Und obwohl dieses Berufsbild in der Öffentlichkeit wahrscheinlich weniger bekannt ist, bietet dieses Segment sehr interessante und auch gut bezahlte Arbeitsmöglichkeiten für Psychologen.
- Sportpsychologie: Sportpsychologen versuchen Profi- und Spitzensportler zu Höchstleistungen zu motivieren.
- Politische Psychologie: Friedens- und Konfliktforschung oder Politikberatung sind mögliche Arbeitsfelder von Politischen Psychologen.
- Neue Aufgabengebiete: Viele Psychologen arbeiten heute auch auf anderen Gebieten, in denen das auf der Universität erworbene Wissen zwar die nicht notwendig, aber hilfreich ist. (Coaching, Meditationslehrer , …)
Diese kurze Aufstellung zeigt, dass es im Bereich der Psychologie deutlich mehr Arbeitsmöglichkeiten gibt, als in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen werden. Denn abseits der allgemein bekannten Psychotherapie gibt es eine Reihe weitere, attraktiver Möglichkeiten, die weniger im Blickpunkt des allgemeinen Interesses stehen. (Werbeagenturen, Krankenhäuser, Sportpsychologen...) Studienanfänger sollten sich vor einer Entscheidung für ein Psychologie-Studium daher auch mit diesen weniger bekannten Aspekten des Berufsbildes vertraut machen. Die Webseiten der DGPs und die Seiten der einzelnen Universitäten bieten dabei wesentliche Informationsquellen.
Weiterführende Informationen:
Webseite der DGPs (Deutsche Gesellschaft für Psychologie)
